Samstag, 15. Mai 2010

Veto!

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. – Zumindest sagt man das so. Nein, besser: Er  sagte es so. Und ich bedaure zutiefst, werter Wilhelm, an dieser Stelle wiedersprechen zu müssen. Denn in meinem Fall scheint es, als wären all die vorherigen Bedenken und von Klischees beladenen Vorurteile eingetroffen. Welch Überraschung.

Dienstag, 11. Mai 2010

Alle Fremdgeher mal bitte die Hand heben – Aha, Danke.

 
Das mit dem Fremdgehen ist ja immer so eine Sache. Als klassisches Opfer-Täter-Beispiel lässt so ein schwerwiegendes Drama nicht viel Platz für Theorien und Logiken. Intuitiv ergreift man Partei für den Betrogenen, der scheinbar völlig ahnungslos in sein emotionales Verderben lief und blendet jegliche Rechtfertigung des offensichtlich gefühlskalten Herzensbrechers aus. Gründe und vermeintliche Erklärungsversuche werden erst gar nicht in Frage gestellt und landen schonungslos im Restmüll für faule Ausreden.
Theoretisch ist es also recht simpel: Betrogen ist betrogen; auf körperlicher, emotionaler und vor allem geistiger Ebene. Da gibt es nichts mehr gut zu machen.
Doch da Theorie und Praxis oftmals meilenweit voneinander entfernt liegen, lohnt sich der Blick auf die Kehrseite durchaus. Denn: Auch, wenn die Antwort keinerlei Auswirkung auf eine eventuelle Entscheidung hat, steht eine unausgesprochene Frage im nunmehr leeren Raum: Warum?
Als rhetorisches Mittel verwendet, war mein Deutschlehrer einst großer Fan dieser bedeutungsschwangeren Verschwiegenheit, bedient man sich ihr jedoch außerhalb des Rahmens aller Aufsätze und Gedichtinterpretationen der Abiturphase, hallt sie gleich um ein Vielfaches heller. Denn in einem Zeitalter aufregendster Flirtchats, unzähliger Untreu-Internetforen und professioneller Seitensprungagenturen wird man von möglichen Rückmeldungen auf das große Warum? nahezu erschlagen. 
Das Erwarten von gegenseitiger Treue ist ein naiver Automatismus, der im Zuge aufkochender Hormonwallungen und elektrisierender Neurotransmitter mit der Partnerschaft Hand in Hand einhergeht – schließlich können wir nicht erwarten, dass unser Partner von nun an mit ledernen Scheuklappen durch die sexuell geladene Welt watet und jeglichem körperlichen Reiz mit kompromissloser Ignoranz begegnet.
Heißt also: Möglichkeiten findet unser Partner im gleichen Maße, wie wir sie rezipieren; und doch liegt der Unterschied darin, dass die eine Seite betrogen hat – und die andere betrogen wurde. Es lässt sich also nicht unmittelbar erkennen, dass eine hohe Anzahl aufblinkender Sex-Banner und hocherotischer Pop-Ups dazu führen, mal eben über den Tellerrand zu langen.
Gern schiebt man dabei die chromosomale Beschaffenheit vors Loch. Doch wenn das Fremdgehen-Gen auf dem (wie so oft vermuteten) Y läge, wäre die weibliche Gattung ein absolut treues Gesindel, welches nicht mit dem besten Kumpel des Partners in der Silvesternacht rumknutscht, keine heimlichen Nachrichten vom Ex empfängt und den DHL-Typen wirklich nur das Paket bringen lässt. […]
Kommen wir zum Quotenbringer der Fremdgehausreden: dem Alkohol. So abgenutzt es klingen mag, so wahrhaftig kann es für den Einzelnen sein. Doch nicht nur Spirituosen enthemmen und verändern das Wahrnehmungsvermögen.
Wie wir also sehen ist die Palette an Gründen - bedingt durch (mehr oder weniger) externe Einflüsse - ziemlich breit. Neben Aussagen wie Sie hat mich geküsst!, Das war alles rein körperlich!, Es hat nichts mit dir zu tun! und meinem derzeitigen Favoriten (da erst neulich von einem gebrochenen Herzen unter Tränen zum Besten gegeben) Aber sie war lange nicht so heiß wie du! schleichen sich nur mühsam belastende Selbstzweifel ein. Ein weiterer Fragenkatalog öffnet sich dem Verzweifelten: Was habe ich falsch gemacht? War ich nicht gut genug? Was hat sie, das ich nicht habe? Ich persönlich finde darauf nur folgende Antworten: Nichts., Doch., Nichts, rein gar nichts! 
Entschließt sich der Partner erst einmal für diesen Schritt, hat er es – wenn auch nur in Bruchteilen einer Millisekunde – bedacht. (Denn wie sagte Descartes noch gleich: "Ich denke, also bin ich." Und ohne Sein kein Handeln - so schließt sich der Kreis.) Es wurde also eine Entscheidung getroffen: Pro Fremdgehen heißt pro Konsequenz - wie die letzten Endes ausfällt, ist rein optional.
Das wiederum zeigt den Ursprung der Tat. Und ob das nun allgemeine Unzufriedenheit, chronisches Desinteresse oder belanglose Unbekümmertheit war, spielt keine Rolle. Fakt ist: Es gab einen Auslöser, der das Verhalten begünstigte - entweder erkennt man ihn und stellt sich der Herausforderung ihn zu beseitigen oder man nimmt diesen Grund an und geht!
Nichtsdestotrotz erwarten wir die notwendige Aufrichtigkeit von unserer lebenden Komponente, sodass wir an dem Punkt Sag ich’s oder sag ich’s nicht? bereits eine Seite für uns ausgelotet haben.
Gestanden ist so ein Betrug aber keineswegs schöner. Vermutlich wünscht sich die Mehrheit, es lieber erst gar nicht erfahren zu haben – aber wir wollten ja Ehrlichkeit.
Das Positive an solch einem Geständnis ist zumindest, dass die Frage Ob? schon mal außen vor ist, sodass das Herz in aller Seelenruhe an dem darauffolgenden Warum? zerbrechen kann.

Sonntag, 9. Mai 2010

Das Prinzip nicht der Punkt zu sein.

"Seine Worte sagen Nein, aber sein Kuss sagt Ja! – Diese Art Verteidigung bringen Vergewaltiger vor!?
Wenn Männer sich in verwegenen Gesten üben, gilt das allgemein als romantisch. Wenn Frauen dies tun, gilt das oft als verzweifelt oder geistesgestört. Ich hoffte zu beweisen, dass ich keins von beidem war" – und falls doch, kreuzte ich aufgrund eines schier unüberwindbaren Egos die Finger für Letzteres.
Leider brachte alles Kreuzen, Hoffen und Salz über die Schulter streuen nichts. Denn das Phänomen, etwas zu tun, es aber niemals über die Lippen kommen zu lassen, scheint im 21. Jahrhundert der westlichen Welt ein weitverbreitetes Traditionsgut zu sein.
Wir sprechen aus, was wir uns wünschen – gehandelt wird aber nach inneren Beweggründen. Auf diese Weise kann es leicht passieren, dass Missverständnisse in überdimensionalen Streitereien enden und – bei falscher Deutung – ein Kuss ganz einfach nur ein Kuss ist; nicht weniger, aber auch nicht mehr. 

Also sitzen wir vor unzähligen Übersetzern, um jenes unklare Verhalten zu dechiffrieren – Tag für Tag, Stunde um Stunde. Und doch wird unser Resultat nicht das richtige sein.
Woher können wir dann aber wissen, dass das, was wir wahrnehmen auch das ist, was wir sehen sollen?
Würden wir wirklich hören wollen, was wir bereits erahnen zu entschlüsseln?

Samstag, 8. Mai 2010

Wenn Worten Wörter fehlen.

Sagen wir erst, was wir wirklich denken, kann das manchmal schlimme Folgen haben. Jemand fühlt sich vor den Kopf gestoßen, ein anderer empfindet die Tatsache empörend – doch am schlimmsten trifft es denjenigen, der unmöglich im Stande ist, das Gesagte zurückzunehmen.
Der Unterschied zwischen bedeutungsvollen Worten und unzähligen Wörtern scheint prinzipiell geklärt; nur kommt es in manch spontanen Aktionsaugenblicken trotzdem zur Verwechslung. Da heißt es dann Quantität statt Qualität und es sprudelt aus uns heraus wie ein Wasserfall. Jede Buchstabenkombination, die auch nur im geringsten zum Mind-Mapping des vermeintlichen Themas gehört, wird aufgegriffen und findet kurzerhand ihren Weg über die Zunge aus dem Mund. Das Ganze endet dann meist in einem riesigen Blabla und das einzig sichtbare Ergebnis ist ein Gegenüber, der verwundert mit der Braue zuckt.

Freitag, 7. Mai 2010

Vorschau, Durchblick, Einsicht.

Manchmal scheint das Eigentliche meilenweit entfernt. Man versucht zu fokussieren, verirrt sich jedoch in dicken Nebelschwaden der Unklarheit. Das gedankliche Wirrwarr ähnelt einem riesen Moodboard – es geht nicht um eine konkrete Aussage, nur um ein Gefühl. Wird man jedoch gezwungen, dieses emotionale Bild in Worte zu kleiden, zerfällt es kurzerhand in seine einzelnen Bestandteile und ergibt – so völlig destruiert – keinerlei greifbaren Sinn mehr.
Was also tun, wenn der unwissende Gegenüber eine klare Antwort verlangt – so egoistisch, fordernd und selbstgerecht? Wenn wir keine Zeit haben, das Gefühl sich selbst klären zu lassen?
In einem zerstörerischen Selbstversuch deuten wir jedes einzelne Puzzleteil – immer Gefahr laufend, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Wir reden; mal laut, mal leise. Und wir hören – in allererster Hinsicht uns selbst. All das tun wir. Bis es klick macht. Bis sich die Blockade löst und es klarer als nie zuvor scheint – wir wollen beginnen…und plötzlich merken wir:  

Es ist so völlig anders!

Durchatmen und Neustarten.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Mit dem Haus durch die Tür.

Ehrlichkeit gilt als große Tugend – sie währt sprichwörtlich am längsten und ist fundamentaler Bestandteil einer aufrichtigen Verbindung. Sie wird zweifelsfrei erwartet; auch wenn sie manchmal schmerzt. Ihre Existenz schafft Hoffnung, ihre Anwendung tiefstes Vertrauen. Wir fordern sie – bedingungslos.  
Doch sind wir eben so gewillt sie preiszugeben?

Dienstag, 27. April 2010

Ich will mich nicht mehr!

Selbstzweifel können sehr belastend sein. Einige lassen uns aufgrund der fehlenden Binikifigur hungern, andere vereinbaren direkt einen Termin beim Schönheitschirurgen. In jedem Fall bewegen sie uns zu zielgerichtetem Handeln.
Anders hingegen beeinflussen Einsichten unser Leben: Während wir jahrelang den Fehler gesucht haben, der uns im Spiel um die große Liebe auf der Reservebank fristen lassen hat, erscheint er einige Männer später direkt vor uns. Plötzlich fällt der Groschen und wir merken, dass es nicht die mangelnde Auswahl an potentiellen Deckeln war, die uns jedes Mal erneut ins Verderben stürzen lassen hat, sondern es schlichtweg an einem früher nie denkbaren Grund lag: uns selbst.
Diverse Macken, Launen und Ticks sind es, die uns auf dem Singlemarkt neben emotional ausgeglichenen Traumfrauen schlecht dastehen lassen.
Es stellt sich mir die Frage: Sind wir bereit, uns selbst zu ändern, um die Erträglichkeit der eigenen Person für andere attraktiver zu gestalten oder halten wir lieber an alten Verhaltensmustern fest, schließen die Augen und hoffen einfach das Beste?
Die Tatsache, dass wir so lang mit einer äußerst belastenden Dysfunktion durchs Leben schritten, beweist, dass sich Einsichten deutlich später offenbaren als die meist frei zugänglichen Minderwertigkeitskomplexe. Wenn wir an uns selbst zweifeln, sehen wir früher oder später also ein – aber zweifeln wir auch automatisch, wenn wir gerade erst einsehen?
Funktionsstörungen hinsichtlich liebestechnischer Sozial-Verbindungen sind vermutlich der Worst Case in Sachen Liebe, Sex und Zärtlichkeit – das eine bedingt das andere, sodass wir nach Zeiten der Unvernunft mit leeren Herzen und einer laut schreienden Libido kurzer Hand eine neue Taktik brauchen; zumindest für den Übergang zur gelobten Besserung. Denn fest steht: Any PR is good PR! – So versuchen wir unseren Makel zeitweilig möglichst lukrativ an den Mann zu bringen.
Es wird also weder abgesaugt, noch weggeschnitten – alles bleibt, wie es ist; nur die Beleuchtung wird etwas überdacht. Haben wir uns an die neue Lichttechnik gewöhnt und sie auf großen Bühnen ausprobiert, verfliegt der Gedanke einer Neuanschaffung in Sachen Präsentation auch schnell wieder.
Die Einsicht hegt somit nicht zwingend Zweifel an uns selbst; sie fordert uns lediglich auf, das Alte zu bedenken und – wenn nötig – ein paar Erneuerungen einzuführen, um sie weniger offensichtlich erscheinen zu lassen.

Montag, 26. April 2010

Die Frage nach dem Warum.

Weibliche Wesen neigen bereits aufgrund ihres überschwänglich gestalteten Hormonhaushaltes zu Übertreibung, Hysterie und chronischer Verständnislosigkeit. Einige Exemplare der Männerwelt sind sich dessen sehr wohl bewusst – und können dementsprechend agieren; so wie Mr. B.: „Mit einer Frau offiziell schlusszumachen ist fast wie Selbstmord: Ihr sagt, ihr wollt einen Grund – geben wir euch einen, flippt ihr total aus. So oder so ist man am Ende das Arschloch.“
Die Konsequenz? Jene erfahrenen Männer schlagen den Weg des geringsten Widerstandes ein und beenden die prä-existente Verbindung mit Hilfe gekonnter Ignoranz.
Verdenken kann frau es ihnen nicht, denn: Ein klares Nein lehnt sie immerhin kategorisch ab – dabei könnte es so einfach sein:
Kann ich das tragen? – Nein, darin hast du einen riesen Hintern.
Sehen wir uns heute Abend? – Nein, heute schlafe ich lieber mit einer anderen.
Rufst du mich an? – Nein, schließlich war das nur Sex.
Doch jenes ehrliche Frage-Antwort-Spiel, welches in Zeiten bunter Zopfgummis und klebriger Kaugummi-Eisstiele tatsächlich noch etwas über den Gegenüber aussagte, wurde im Laufe der sexuellen Reife in die Andenken-Box gelegt und weit nach hinten unters Bett geschoben.
Heute spielen wir lieber Ausreden-auf-Knopfdruck oder Ich-umschreibe-es-nett-weil-du-die-Wahrheit-nicht-verkraftest. Das Paradoxe daran: Die Urheber dieser Neuzeit-Spielchen sind gleichzeitig ihre größten Feinde!

Sonntag, 25. April 2010

Auf dem Weg nach Broke-up-City.

Der Punkt, an dem sie bemerkt, dass er ihr nicht gut tut, ist das Resultat wochenlangen Abwägens der ewigen Auf und Abs sowie stundenlanger Therapiegespräche mit ihren Liebsten. Viel zu stark ist die Wunschvorstellung, ihn doch noch ändern zu können.
So verbringen einige von jenen einst emotional Starken fünf Wochen vor dem Telefon – stets dem Glauben nah, er würde sich noch melden – und andere hoffen nach zwei Jahren Gemeinsamkeit noch immer auf eine gefühlstechnische Revolution seiner Beziehungs-Ansichten.
Der Gedanke, ihn loszulassen, da bereits zu viel Nervenkostüm einzubüßen war, schleicht sich nur allmählich zwischen all das Hoffen, Warten und inständige Glauben. Es ist immer ein Stück weit Aufgabe; ein Resignieren, dass der Einen eine gehörige Portion Ego kostet und der Anderen den lang ersehnten Traum der trauten Zweisamkeit zerstört.
Doch auch wenn sich beide im Klaren darüber sind, dass es mehr erfordert als einbringt, wird verhandelt und gefeilscht, was das Zeug hält – bis es reicht. Ist der Betrag der roten Zahlen zu hoch, wird Insolvenz angemeldet. Eine letzte Frist bietet ihm die Möglichkeit der Wahl – allgemein, frei, unmittelbar, gleich und vielleicht auch geheim: Broke-up-City oder Entgegenkommen-Town? Die Entscheidung liegt bei ihm; die Konsequenz bei ihr.