Montag, 1. April 2013

Feuchtigkeitspflege für die Seele



An manchen Tage habe ich das dringende Bedürfnis, mich in einen riesigen Tiegel Moisturizer zu legen, um all den rauen und widerspenstigen Zynismus aufzuweichen, der meine Gedanken in einem theatralischen Schattenspiel gefangen hält. Die blanke Lebensfreude einfach einziehen lassen. Weil an diesen Tagen kein Macadamia-Eis der Welt hilft, die Vorhänge aufzuziehen. Und der Rotwein nur halb sediert.
Das sind die Momente, in denen Prokrastination ihren Höhepunkt findet: Nichts bewegt sich – und wenn, dann nur schleichend in die völlig falsche Richtung. Dabei drängt sich die Möglichkeit, den vom letzten Pilates-Kurs noch schmerzenden Hintern hochzuhieven, um eigenhändig etwas Sonne in das Zimmer namens Kopf zu lassen, selbst in den Hintergrund.
Doch anstatt in vitalisierender Feuchtigskeitscreme zu baden, ist der Tod durch Ertrinken in sumpfigem Selbstmitleid wahrscheinlicher. Ich bin mir nicht sicher, ob das okay ist. Oder ob es "wertvolle Lebenszeit" raubt, wie Lifestyle-Magazine proklamieren. Vielleicht ist es aber auch die notwendige Ruhe vor dem Sturm, die leidvolle Inspiration des pathetischen Künstlers quasi, die nur Anlauf für den nächsten großen Schritt nimmt. Unter Berücksichtigung dieser Sichtweise verordne ich Schokolade bis zum Morgengrauen! Um sie dann guten Gewissens auf dem Laufband loszuwerden. Kreislauf? Ja. Aber ohne Startschuss auch kein ins-Ziel-Kommen.

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